"Welcome to the real world"

Im Hirngespinst Hauptquartier materialisieren sich einzelne Gedanken zu komplexen Ideenkonstruktionen. Hier kollidieren Realitäten, entstehen Kurzgeschichten, Gedichte, banale Anekdoten, Schlemmertests, Kino-/Film-/Restaurantkritiken, Hörsaalgezwitscher, sowie allerlei anderes Zeug...

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Eine kleine Kurzgeschichte

Hey Folks, hier mal eine Kurzgeschichte die während einer langweiligen TV-Nacht vor 2 Jahren entstanden ist. Eigentlich waren es vorerst 2 Geschichten und ein Gedicht, diese sind aber nach mehrmaliger Überarbeitung im Laufe der Zeit miteinander verschmolzen. Eine durchaus düstere aber, wie ich finde, gelungene Story für HG-HQ.


 
Ich, er und ...es?

Gedanken des Wahnsinns, hart treffen die Realitäten hier aufeinander. Die Gefühle verwirren ihn und nur einem Teil seiner Schuld gelingt es, sich ans rettende Ufer der Dunkelheit zu ziehen.
Nackt, beraubt seiner höchsteigenen Person liegt er dar, bereit sich dem Erstbesten zu ergeben, nur um zu wissen wer er wirklich war.
Seicht umspielt der Irrsinn den kläglichen Rest seiner jämmerlichen Existenz. Ein Rauschen ertönt und von kräftigen Händen gepackt, zieht es ihn zurück ins Meer der Dimensionen.
Alleine und verlassen harrt er dort dem Ende entgegen. Kein rettender Engel in weiß erscheint. Niemand ruft seinen Namen, langsam vergeht er und vergisst was es heißt zu hoffen.
Hoffnung, ein Wort, dass er zuletzt so selbstsicher und selbstverständlich aus seinem Munde vernahm.
Doch hoffen kann er nun nicht mehr. Trunken vor Selbstmitleid gibt er sich dem Exodus hin und versinkt in den schwarzen Wogen der Vergessenheit.

Der Wecker klingelt, nein, dass verdammte Telefon!
Aufgeschreckt und noch im Halbschlaf eile ich zum elektrischen Störenfried. "Hallo?"; dumpf nehme ich meine eigene Stimme wahr. Klang sie schon immer so abweisend?
Oh, verwählt...
Umsonst hat mein Herz fast einen Aussetzer gehabt als mich das schrille Klingeln aus diesem abscheulichen Traum riss. Was war es doch gleich gewesen?
Alles woran ich mich erinnern kann, ist das schwarze Wasser... Seltsam, aber was soll's? Ein Traum bleibt ein Traum!
Gähnend schaue ich auf die Uhr, erst 7:30 Uhr?! Arschloch! Hätte sich ruhig was später verwählen können! An Schlaf war jetzt nicht mehr zu denken.
Müde stehe ich vorm Spiegel und sehe in die Rot geränderten Augen meines Gegenübers. Na, der Kelch der Jugend schien allmählich an den Nächsten zu gehen. Lange schaue ich in die Blauen Augen. Kalt und ausgebrannt starren sie zurück. Was war es noch gleich? Schwarzes Wasser?
Näher sind sie gekommen und ich spüre deutlich ihre Kälte auf meinem Gesicht. Abweisend will ich den Kontakt lösen, doch wie hypnotisiert bin ich längst in ihrem Bann gefangen.

Wer ist dieses Wesen hinter dem Glas? Seine Blicke erst kalt und herablassend, versprechen nun Verheißung und verführen mich so einfach wie ich es selbst nicht besser gekonnt hätte. Woher kennt es mich? Verdammt, es wirkt alles so real und lebendig. Ach Unfug, denke ich mir und will mich nun endgültig lösen, doch vermag ich es nicht aus eigener Kraft.
Spielerisch scheint es meine Gedanken zu lesen und lockt mich mit der Versuchung meiner eigenen Vorlieben.
Kein Ton erklingt, nicht ein Wort wurde gesprochen und doch war ich bereit mich ganz seiner hinzugeben. Ist es ein er? Nein, ich bin mir inzwischen fast sicher, dass er eine sie ist. Egal, für es würde ich durchs Feuer gehen und wie einst Herakles, mich den 12 Prüfungen stellen. Wär' doch nur nicht dieser Schild aus Glas zwischen uns! Unsichtbar und doch so mächtig! Mit Freude würde ich meinen Körper an ihm zerschmettern für eines weiteres Blickes Lohn.

Sanft spüre ich eine Berührung an meinem linken Arm und erwache schlagartig aus meiner Trance. Frech und anscheinend auch hungrig sitzt meine treue kleine Katze auf dem Bassin des Waschbeckens und sieht mich vorwurfsvoll an. Erschrocken schaue ich auf meine Armbanduhr und mir bleibt fast das Herz stehen. Schon fast halb elf! Was habe ich nur die ganze Zeit gemacht? Schnell wasche ich mir noch das Gesicht, tunlichst ohne in den Spiegel zu blicken. Beim verlassen des Bades siegt dann aber doch die Neugier. Geradezu vorsichtig erhasche ich einen kurzen Blick auf mein Spiegelbild. Enttäuscht stelle ich jedoch fest, dass es nur einen unrasierten Kerl zeigt wie er sich selbst lächerlich macht.
Mit schnellen Schritten verlasse ich darauf das Haus und eile zur Arbeit.

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